Dr. med. Luise Kommerell
Dr. med. Frank Kommerell
Fachärzte für Augenheilkunde
Fabrikstraße 8
85354 Freising
Telefon: 08161 - 94148
Was ist Licht ?

Physikalisch betrachtet ist Licht eine elektromagnetische Wellenstrahlung wie die Radiowellen, die UV- Strahlung und die Röntgenstrahlung. Was eine Wellenstrahlung genau ist, kann man nur den wenigen Auserwählten unter uns klar machen, die ein physikalisches Denken haben und sich für die Quantentheorie begeistern können. Für alle Anderen ist nur bedeutsam, dass diese Strahlen sich in der Wellenlänge und dadurch ihren Eigenschaften unterscheiden. Das besondere an dem Teil der Wellenstrahlung - die wir “Licht″ oder auch “sichtbares Licht″ nennen - ist, dass wir Rezeptoren dafür haben und sie wahrnehmen (Sehen) können. Näheres zu den Rezeptoren unter Farbensehen und Bestandteile des Auges. Ultraviolettes und Infrarotstrahlung können wir nicht sehen und man spricht hier auch schon mal etwas unzutreffend vom “nicht sichtbaren Licht″. Spüren können wir es schon, allerdings nur in Form der Folgen. Beim Infrarot ist dies die Wärme und beim Ultraviolett die Bräunung und der Sonnenbrand z.B.

Ist Licht gefährlich oder gut ?

Einerseits hört man ständig von den gefährlichen Auswirkungen des Lichtes (Melanome, Makulaschäden, Schneeblindheit etc.) und andererseits gibt es die positiven Wirkungen, wie der Notwendigkeit für den Vitamin-D-Haushalt im Körper, werden Leute mit Winterdepression vor “Lichtduschen″ gesetzt und Professoren sprechen von Licht als “Medikament″.   
Wie immer liegt die Wahrheit in der Mitte und beides trifft zu. Abhängig sind die positiven oder negativen Folgen von der Menge (Intensität) und der Art (Wellenlänge) des Lichtes.

Was sind die Wirkungen des Lichtes ?
  • In absoluter Dunkelheit können wir nichts sehen. Das heißt zunächst einmal, wir brauchen Licht zum Sehen (vergleiche Sehvorgang). Die Netzhaut mit ihren Rezeptoren funktioniert durch den Einfall von Licht in das Auge. Bei geringer Beleuchtung erkennen wir nur Grautöne, da hier nur die Stäbchen (Schwarz/Weissrezeptoren) funktionieren. Bei stärkerer Beleuchtung erkennen wir auch Farben. Jetzt können wir auch schärfer und bunt sehen weil jetzt auch die Zapfen (Farbrezeptoren der Netzhaut) arbeiten (siehe auch Aufbau der Netzhaut unter Bestandteile des Auges bzw. unter Farbensehen).
  • Wird es zu hell sind wir geblendet, das heißt die Netzhaut überreizt und wir können nichts mehr er- kennen (siehe Blendungsempfindlichkeit unter Probleme beim Sehen in der Dunkelheit) bzw. sehen leuchtende Flecken oder erkennen nur noch überstrahltes Weiß (s.a. Farbspiele der Natur über die Farben der Sonne). Wird die Lichtintensität noch größer, können Wassereinlagerungen (Ödeme) in der Netzhaut entstehen und zu einem vorübergehenden (Tage - Wochen) dauernden Sehverlust/Seheinschränkung in diesem Bereich der Netzhaut führen. Bei nochmaliger Steigerung entstehen Brandwunden auf der Netzhaut mit der Folge von dauerhaften Ausfällen (Fleckensehen) in diesem Bereich. Zur Beruhigung muss gesagt werden, dass die letzten beiden Möglichkeiten nur mit direktem Sehen in die Sonne (Vorsicht vor ungeschütztem Betrachten von Sonnenfinsternissen ! -> zu Beachtendes siehe auch hier ) oder durch Laserstrahlen erzielt werden können. In der Regel “meldet″ sich das Auge bei Überreizung mit Schmerz und man schließt die Augen oder sieht weg.
  • Die Wellenlänge des Lichtes - sprich die sichtbare oder unsichtbare Farbe - ist für mögliche Schäden auch von großer Bedeutung. Von der Haut kennt man ja die Wirkung von Infrarot (Wärme) und die Folgen von Ultraviolettem Licht, der sogenannten UV-Strahlung (Bräunung, Vitamin-D-Bildung, Förderung von Hauttumoren). Am Auge kann zu intensive Infrarotstrahlung, wie sie früher die Glasbläser (damals noch ohne Schutzbrillen) ausgesetzt waren, zum sogenannten Glasbläserstar, einer Sonderform des grauen Stars , führen. Zu intensive UV-Strahlung kann am Auge diverse Folgen haben. Das erste ist die sogenannte “Schneeblindheit″ oder die “Verblitzung″, bei der es zu einer vorübergehenden schmerzhaften Schädigung der Hornhautoberfläche und einer ebenso vorübergehenden Sehverschlechterung kommt. Als nächstes wird auch der UV-Strahlung eine Förderung des grauen Stars nachgesagt. Neuere Forschungen betonen weiterhin die Risiken für die Netzhaut, wo durch UV-Strahlung (aber auch durch intensives blaues Licht) die Entwicklung sogenannter “freier Radikale″ gefördert wird, die langfristig zu einer Schädigung, der sogenannten Makulopathie führen.
  • Nach diesen gefährlich klingenden Folgen könnte man meinen, möglichst wenig Licht sei gut und ständig eine Sonnenbrille auf der Nase ideal. Stimmt auch nicht. Licht ist bedeutsam für den Wach- Schlaf-Rhythmus also die biologische Uhr des Menschen. Über Rezeptoren in der Netzhaut wirkt das Licht aktivierend und unterdrückt die Ausschüttung von Melantonin, dem Botenstoff (Hormon) für die Nacht, der müde macht, den Stoffwechsel verlangsamt und die Körpertemperatur senkt. Ein Wechsel zwischen sehr hellen Phasen tagsüber und Dämmerung abends ist also entscheidend für den biologischen Tagesrhythmus. Zu Zeiten, als man sich noch die meiste Zeit draussen aufhielt war das kein Problem. Heute, wo wir bei weitaus geringeren Lichtintensitäten ständig “drinnen hocken″, kommt es insbesondere im Winter zu dauerhafter Ermüdung bis zur Depression, da uns die aktivierende und stimmungshebende Helligkeit fehlt. Wie sagt der rheinische Volksmund: “Licht und Luft gibt Saft und Kraft″. Die sogenannte Winterdepression (siehe auch unten unter “Wintertief″) bei der die Betroffenen über Energielosigkeit, Müdigkeit, übermäßige Traurigkeit und Heißhunger vor allem auf Süßes klagen, ist eine der Folgen des Lichtmangels im Auge. Durch den oben beschriebenen Melantoninüberschuß wird die Produktion des Glückshormons Serotonin unterdrückt, daher die gedrückte Stimmung und der Heißhunger auf z.B. die serotoninhaltige Schokolade.
  • Durch die Verknüpfung des Sehnerven mit den vegetativen Regulationszentren (Steuerung innerer Funktionen) werden durch das Licht und seine Intensität noch weitere Funktionen angeregt: Wachstumsprozesse, Eintritt der Geschlechtsreife, Knochenentwicklung, Blutbildung und die Tätigkeit innerer Drüsen (z.B. Schilddrüse, Hypophyse). Insofern ist ausreichendes Licht unverzichtbar für Aktivität, Motivation und Gesundheit *    Licht besteht auch aus verschiedenen Farben, die zusätzlich noch die Stimmung beeinflussen können (vergleiche Farbensehen)

Was bedeutet das für den Alltag ?

Viel Licht in die Räume lassen. Tagsüber gute helle Beleuchtung, abends dagegen darf es auch mal schummrig sein (zum Müde werden und entspannen). Häufig raus ins Helle und in die Sonne, denn die Zimmerbeleuchtung (siehe Tabelle unten) reicht nicht aus. 15 Minuten helles Tageslicht auf die Hände und das Gesicht sind sind für den Vitamin-D-Haushalt z.B. Minimum. Blendung bei konzentrierten Seharbeiten (PC, Lesen etc) meiden. Hautschutz durch Sonnencreme und Augenschutz durch Sonnenbrillen bei intensiver Sonne (vor allem Meer und Gebirge) bzw. Spezialbrillen mit Lichtfiltern bei industriellen Arbeiten (Schweissen, Hochofen etc.).

Tabelle zur Lichtstärke (wird in der Einheit Lux gemessen):

*    normale Innenbeleuchtung: 50-500 Lux
*    stark bedeckter Winterhimmel 1.000 Lux
*    hell bedeckter Winterhimmel 2.000 Lux
*    bedeckter Himmel im Sommer 5.000-10.000 Lux
*    sonniger Wintertag 10.000-20.000 Lux
*    sonniger Sommertag 50.000 bis 100.000 Lux

Wie unterscheidet sich das lichtmangelbedingte “Wintertief″ von der echten Depression ?

Menschen im winterlichen Tief das wir alle mal mitmachen sind vor allem energielos, wollen mehr schlafen und sind gedrückter Stimmung. Zur “echten″ Depression gehören unter anderem - neben der gedrückten Stimmung - Antriebsmangel am Morgen, quälende Schlafstörungen und Erschöpfung, Appetitmangel mit Gewichtsabnahme, Freud- und Interesselosigkeit. Man fühlt sich wertlos und selbstunsicher. In diesem Fall sollte man sich mit einem Spezialisten unterhalten. Es muß ja nicht gleich eine medikamentöse Therapie sein, manchmal helfen auch Erklärungen der Zusammenhänge, Verhaltensänderungen und “Lichtduschen″ mit speziellen Lampen.

(Stand 02.02.2008)