Dr. med. Luise Kommerell
Dr. med. Frank Kommerell
Fachärzte für Augenheilkunde
Fabrikstraße 8
85354 Freising
Telefon: 08161 - 94148

Kontaktlinsen:

Etwa 2,5 Millionen Menschen in Deutschland tragen Kontaktlinsen. Auf etwa 250 000 neue Kontaktlinsenträger kommen fast ebenso viele Aussteiger, also Menschen, die mit den Kontaktlinsen nicht zurechtkommen oder diese nicht vertragen. Durch die intensive Weiterentwicklung von Linsenmaterial und Pflegesystemen ist das tragen von Kontaktlinsen ist  in den letzten Jahren angenehmer und sicherer geworden. Es bleiben dennoch Schwachpunkte, diese liegen im wahrsten Sinne des Wortes in der Hand des Kontaktlinsenträgers.

Aktuelle Schadensanalysen bestätigen erneut, dass in über 80% aller registrierter Kontaktlinsenkomplikationen Hygiene - und Tragefehler die Ursachen der Störungen am Auge waren.

Generell muss vor dem unkontrollierten Vertrieb von Linsen über das Internet gewarnt werden, da die fachliche Kompetenz nur teilweise oder in sehr vermindertem Umfang sichergestellt ist.

Die zwei wichtigsten  Arten von Kontaktlinsen vorstellen:


Harte (formstabile) Kontaktlinsen:

Vorteile:
 
  • geringerer Pflegeaufwand,
  • bei sachgemäßer Pflege und Handhabung eine Haltbarkeit von bis zu 3 Jahren, da das Material nicht so schnell altert.
  • sichere Versorgung des Auges mit Sauerstoff, da über den Pumpeffekt beim Lidschlag hinaus die Versorgung der Hornhaut mit Sauerstoff durch das Linsenmaterial wird gewährleistet
 
Aus unterschiedlichen Gründen wird Abstand von Kontaktlinsen genommen und die Träger greifen wieder zur Brille. Die Ursachen hierfür können an einem mangelnden Tragekomfort liegen, welcher in Zusammenhang mit dem Verunreinigungsgrad der Kontaktlinsen steht.

Es wird versucht die Oberflächenchemie der Materialien so zu verändern, dass die Proteinabsorption während des Tragens herabgesetzt wird. Dies ist mit der Entwicklung von Silikoncopolymeren gelungen. Je höher der Anteil an Siloxan, desto höher ist die Sauerstoffdurchlässigkeit des Materials. Damit einhergehend wird die Kontaktlinse flexibler und der Tragekomfort verbessert. Die Kontaktlinse im täglichen Gebrauch jedoch empfindlicher. Stabile Kontaktlinsen unterscheiden sich durch die unterschiedliche Sauerstoffdurchlässigkeit der Materialien.


Weiche  (formflexible)Kontaktlinsen:


Vorteile:


  • bessere Spontanverträglichkeit, weniger Fremdkörpergefühl
  • werden die weichen Kontaktlinsen täglich getragen, sollten sie nach etwa einem Jahr gegen neue ausgetauscht werden -, um eine gute Sauerstoffversorgung zu gewährleisten
  • Für die Herstellung weicher Kontaktlinsen werden zwei Gruppen von Polymeren verwendet: Hydrogele und Silikonkautschuk.
 
Kontaktlinsen aus Silikonkautschuk weisen eine außerordentlich hohe Sauerstoffdurchlässigkeit auf ( DK bis 500 ! ), sind sehr reißfest und sehr elastisch. Je nachdem wie die Porengröße des Materials ist, bewegt sich der Wassergehalt der zur Zeit verwendeten Kontaktlinsenmaterialien zwischen 38 % und 75 %: je höher der Wassergehalt, desto höher die Sauerstoffpermeabilität ( DK - Wert ), aber auch die Neigung zur Einlagerung von Fremdstoffen und das Austrocknungsverhalten des Materials, was sich wiederum negativ auf die Sauerstoffdurchlässigkeit der Kontaktlinse auswirkt. Weiche Kontaktlinsen unterscheiden sich durch ihren unterschiedlichen Wassergehalt, der die Sauerstoffdurchlässigkeit und die Lebensdauer der Linsen beeinflussen.
 
Austauschsysteme + Kontaktlinsen für verlängertes Tragen:
 
Austauschsysteme bestehen aus weichem hydrophilem, sehr dünnem Hydrogel. Das sind Kontaktlinsen, die je nach Linsentyp für eine Tragedauer von einem Tag bis drei Monaten gedacht sind. Es ist notwendig in regelmäßigem Abstand die Kontaktlinsen zu tauschen. Dadurch besteht die Möglichkeit, das Auftreten der Komplikationen zu reduzieren. Da sich wegen der meist unzureichenden Kontaktlinsenhygiene organische Ablagerungen auf der Kontaktlinse ansammeln, kann durch rechtzeitiges Entsorgen der verunreinigten Kontaktlinsen der Kreislauf von mangelnder Hygiene, Aufbau von Langzeitablagerungen und Komplikationen unterbrochen werden.
 

Tauschsysteme müssen im vorgesehenen Intervall erneuert werden.


Als Kontaktlinsen für verlängertes Tragen ( vT - Linsen ) sind laut FDA prinzipiell alle Kontaktlinsen geeignet, die eine Zulassung für verlängertes Tagen haben. Unabhängig vom Linsentyp müssen Kontaktlinsenkunststoffe einerseits eine besonders hohe Sauerstoffdurchlässigkeit gewährleisten, andererseits sollten die Linsen besonders dünn sein. Auch die Linsengeometrie und die Anpasstechnik spielen eine wichtige Rolle. Hier hat sich ein Linsenmaterial mit hohem Wassergehalt bewährt. Das Infektionspotential steigt bei verlängertem Tragemodus jedoch generell erheblich an.


Was tun bei Kontaktlinsenunverträglichkeit?


Die tägliche Tragedauer unterscheidet sich von Patient zu Patient: in erster Linie zählt das persönliche Wohlgefühl. Der Schlüssel zur erfolgreichen Kontaktoptik ist eine ausreichende Tränenqualität wie -quantität. Harte wie weiche Kontaktlinsen benötigen je nach Material und Anpasstechnik ein gewisses Tränenpolster um problemfrei getragen werden zu können. Vor dem Einschlafen müssen die Kontaktlinsen von den Augen entfernt werden. Die Hornhaut braucht für ihre Ernährung ständig Sauerstoff von außen, den sie aus der Tränenflüssigkeit bezieht. Da während des Schlafes die Tränenproduktion ruht, und die Sauerstoffzufuhr hinter geschlossenen Lidern reduziert ist, würden während des Schlafes getragene Kontaktlinsen die Sauerstoffzufuhr weiter vermindern.


Um das Problem der mangelnden Sauerstoffzufuhr zu verdeutlichen, sollte man sich bewußt machen, dass der Sauerstoffpartialdruck ( pO2) hinter den geschlossenen Lidern dem pO2 in 5500 Metern Höhe entspricht. Sinkt der pO2 unter 10%, kommt es zu einem Hornhautödem, sinkt er unter 8% kann der innere Teil der Hornhaut dauerhaft geschädigt werden.


Auch Stoffwechselprodukte, die tagsüber durch den Pumpeffekt des Lidschlages abfließen, würden sich unter den Kontaktlinsen ansammeln. Die Folge können schwerste Augenschäden sein. Manche äußeren Einflüsse können sich ebenfalls ungünstig auswirken - wie etwa staubhaltige Luft am Arbeitsplatz, die Einnahme von Medikamenten (orale Verhütungsmittel, Kortison, Mittel gegen hohen Blutdruck, Konservierungsmittel in Augentopfen ). Nicht selten sind es psychische Probleme, die Symptome einer Kontaktlinsenunverträglichkeit hervorrufen können.


60 Prozent aller Kontaktlinsenunverträglichkeiten werden durch falsche oder unzureichende Hygiene verursacht.


Kontaktlinsenhygiene


Jede Kontaktlinse, die wiederholt benutzt werden soll, muss regelmäßig am Ende der Tragezeit vom Auge genommen, sorgfältig gereinigt und richtig desinfiziert werden. Hierfür sind zahlreiche Desinfektionsmittel auf dem Markt, die gelegentlich einmal ein empfindliches Auge reizen bzw. bei unkontrollierter Anwendung schädigen können. Zwar wurde durch die intensive Entwicklung neuer Desinfektions- und Reinigungslösungen die Rate allergischer Reaktionen deutlich gesenkt. Immer aber noch besteht, vor allem bei Durchmischung nicht mit einander verträglicher Hygienesysteme, die Gefahr toxischer Hornhautschäden. Daher sollten niemals Pflegesystemkomponenten unterschiedlicher Produktreihen verwendet werden.


Bei nicht sachgemäßer Hygiene ist das Risiko einer mikrobiellen Hornhautentzündung ( Keratitis ) stark erhöht, da die sich auf der Kontaktlinsenoberfläche bildenden Ablagerungen einen idealen Nährboden für alle Arten von Mikroorganismen darstellen. Während eine Keratitis bei Gesunden eine seltene Erkrankung ist, steigt das Risiko bei Kontaktlinsenträgern deutlich an.